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Fresenius Kabi und Leftshift One starten gemeinsam KI-Pilotprojekt

Pilotprojekt: Pharmariese setzt auf künstliche Intelligenz aus der Steiermark

Rund 100 Millionen Arzneimittel verlassen jährlich das Grazer Werk des internationalen Gesundheitskonzerns Fresenius Kabi. Nach den strengsten nationalen und internationalen Maßstäben werden die Prozesse zur Herstellung der Chargen analysiert – und protokolliert: Dafür kommt nun in einem Pilotprojekt künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Für die Umsetzung zeichnet der Grazer KI-Pionier Leftshift One verantwortlich.

Karin Schnedlitz

Content Managerin

Credit: Fresenius Kabi

Arzneimittel wie Anästhetika, Analgetika und Antibiotika verlassen das Werk von Fresenius Kabi in Graz in millionenfacher Ausfertigung – jedes Jahr. Bei der Produktion der vorwiegend flüssigen Arzneimittel stehen höchste nationale und internationale Qualitätsstandards an erster Stelle: „Da unsere Produkte auf den nationalen und internationalen Pharmamarkt gehen, sind von deren Qualität Millionen Menschenleben – rund um den Globus – abhängig. Diese Produkte müssen in physikalisch-chemischer und mikrobiologischer Hinsicht schlichtweg perfekt und steril sein. Es wird keine Abweichung geduldet“, betont Werksleiterin Ruth Staubmann die hohen Qualitätsvorschriften bei Fresenius Kabi Austria. Die Analyse und Dokumentation jedes erdenklichen Vorkommnisses an den Fertigungslinien nehmen daher einen besonders hohen Stellenwert ein: „Die Produktion ist ein industrieller Prozess, an dem Menschen und Maschinen unter anspruchsvollsten Anforderungen partizipieren. In seltenen Fällen kann es daher zu Abweichungen von vordefinierten Prozessen kommen. Worauf es dann ankommt, ist die Abschätzung der Auswirkungen des vom Plan abweichenden Ereignisses auf das Produkt“, erklärt Fresenius Kabi Austria-Innovationsleiter Christoph Köth. Heißt: Minimale Veränderungen des geplanten Ablaufs werden nach genauen Vorgaben analysiert und bewertet – und können im Extremfall auch die Vernichtung einer Charge zur Folge haben, sagt der Innovationsleiter. Dabei entscheidend: Je schneller, genauer und eindeutiger die Dokumentation der Abweichungen erfolgt, desto zielgerichteter können die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden.

„Unsere Technologie ist in der Lage, die textliche Beschreibung des Mitarbeiters zu analysieren und einzuordnen. Dadurch werden aus bislang unstrukturierten Texten vergleichbare Datensätze“

Premiere für künstliche Intelligenz

Gemeinsam mit dem Technologiespezialisten Leftshift One setzt Fresenius Kabi Austria künstliche Intelligenz auf den Produktionslinien ein. „Mit Hilfe der KI wollen wir sicherstellen, dass die Informationen zur Analyse einer Abweichung ausreichend und vollständig sind – unabhängig von Parametern wie dem dokumentierenden Mitarbeiter oder der Tageszeit“, erklärt Köth. Heißt: Während bislang die Dokumentation des Fertigungsmitarbeiters ausschließlich durch Qualitätsexperten interpretiert wurde, nimmt nun die KI zusätzlich eine Vorab-Klassifizierung des Vorfalls vor. „Unsere Technologie ist in der Lage, die textliche Beschreibung des Mitarbeiters zu analysieren und einzuordnen. Dadurch werden aus bislang unstrukturierten Texten vergleichbare Datensätze“, erklärt Patrick Ratheiser, Geschäftsführer von Leftshift One. Vergangene Ereignisse an den Produktionslinien werden dabei in die Vorab-Klassifizierung der KI integriert. Auf Basis des AIOS, dem von Leftshift One entwickelten Betriebssystem für künstliche Intelligenz, ist das Grazer Unternehmen in der Lage, derartige KI-Anwendungen schnell und zuverlässig umzusetzen. „Mit Hilfe unserer Technologie können wir branchenübergreifend Unternehmen innerhalb weniger Wochen erste Lösungen anbieten. Wichtig ist, dass das jeweilige Domänen-Know-how mit unserer Datenexpertise verknüpft werden muss – und der Mensch im Mittelpunkt bleibt. Das gilt ganz besonders in diesem Projekt, da die Vorab-Klassifizierung der KI für den jeweiligen Anwender nachvollziehbar, transparent und erklärbar sein müssen“, betont Ratheiser. Denn erst die Symbiose aus Mensch und Maschine würde die Anwendung von KI sinnvoll machen, so der Geschäftsführer.

„Je besser die Empfehlungen werden, desto höher ist die Akzeptanz der Menschen. Daher müssen wir sicherstellen, dass der Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt proaktiv den Vorschlag der künstlichen Intelligenz überprüft“

Daher gilt auch bei Fresenius Kabi Austria: Die endgültige Entscheidung, wie mit dem vom Plan abweichenden Vorkommnis umzugehen ist, obliegt weiterhin den Qualitätsexperten. „Wichtig ist aber, dass wir bei der Entscheidung mit diesem KI-basierten Tool einen unparteiischen Qualitätsassistenten zur Seite stellen“, hebt Innovationsleiter Köth hervor. Im Rahmen von Diplomarbeiten untersucht der Gesundheitskonzern in diesem Zusammenhang, inwieweit es erforderlich ist, Mechanismen einzuziehen, um die Unabhängigkeit der Entscheidungen der Qualitätsexperten von den Vorschlägen der KI zu gewährleisten. „Je besser die Empfehlungen werden, desto höher ist die Akzeptanz der Menschen. Daher müssen wir sicherstellen, dass der Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt proaktiv den Vorschlag der künstlichen Intelligenz überprüft“, meint Köth.

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